Montag, 22. Januar 2018

Das Tage-Buch: Die Menstruation – alles über ein unterschätztes Phänomen Broschiert von Heike Kleen

An Tagen wie diesen
„Pssst, du, sag mal, hast du was dabei?“ Wenn Frauen dringend einen Tampon brauchen, benehmen sie sich wie Drogendealer, damit bloß niemand die Übergabe von drei Gramm gepresster Watte bemerkt. Das Thema Menstruation ist immer noch ein großes Tabu. Warum eigentlich? Heike Kleen geht der Sache auf den Grund. Äußerst unterhaltsam erzählt sie von den erstaunlichen Vorgängen im weiblichen Körper, von alten Mythen und neuesten Erkenntnissen, geheimen Kräften und eigenen Erfahrungen.
Frech, witzig, aufschlussreich!


Zugegeben, als ich den Klappentext las, hab ich mich schon sehr gewundert. Frauen benehmen sich wie Drogendealer, wenn sie einen Tampon brauchen … im Ernst? Hier? Heutzutage?
Die Autorin scheint das tatsächlich zu glauben. Nun, ich als Frau mit über fünfzig kann mich da nur wundern. Ich habe meine Tage nie mit "Erdbeerwochen" umschrieben und woher der Begriff "Rote Zora" kommt, ist mir schleierhaft. Sollte sich die Frage nach einem Tampon tatsächlich mal stellen, kam mir nie in den Sinn, meine Stimme zu einem Flüstern zu senken. Ist die heutige Jugend wieder derart prüde geworden? Aber nein, Freundinnen und Kolleginnen sehen die Monatsblutung genauso unverkrampft wie ich. Auch die erheblich jüngeren. Wo also ist das Problem, mit dem die Autorin umfassend aufräumen will?Kann es sein, dass es ein Problem ist, dass in erster Linie sie selbst hat und das sie dann mal eben verallgemeinert?

Auch jetzt, nachdem ich mit dem Buch fertig bin, weiß ich es noch nicht. Gut, stimmt, früher - viel früher - war das anders, als man noch nicht wusste, woher das Blut kam und warum. Aber bereits die alten Griechen machten sie da schon so ihre Gedanken und zogen die richtigen Schlüsse, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dass die Autorin darüber ausgiebig lustig macht, hat mich etwas verärgert, denn schließlich mutet die Medizin damals insgesamt aus heutiger Sicht doch recht seltsam an. Da einen Teilbereich herauszureißen und an den Pranger zu stellen, macht sich zwar gut, ist aber nicht sachgerecht.
Überhaupt werden die Hälfte des Buches lang Tampons, Binden und Menstruationstassen aufgezählt, mit digitalem Chip und ohne, in Deutschland erhältlich oder nicht (und zum Teil auch überhaupt nicht). So manches Mal schrammt das Buch dabei schon sehr knapp an der Schleichwerbung vorbei.

Völlig verblüfft war ich aber, als von den Vorteilen einer Menstruations-App berichtet wird. Solche Apps bereiten einen darauf vor, dass man bald wieder seine Tage hat. Hallo? Die hat man alle vier Wochen! Ziemlich regelmäßig. Das weiß ich doch auch so! Und wer sich auch nur ein wenig auf seinen Körper einlässt, merkt das auch so schon Tage vorher, selbst wenn er seinen Kalender vergessen und vier Wochen in einem stockdunklen Raum verbracht hat.

Insgesamt finde ich das Buch wirklich überflüssig. Vielleicht ist es eher etwas für die prüde USA oder für Länder, in denen man mit der Aufklärung noch nicht so weit ist. Aber ob es dort jemals gelesen werden wird?
Der Stil aber hat mich angesprochen. Die Autorin schreibt locker und amüsant. Auch die eingestreuten Zeichnungen haben mir gut gefallen. Deshalb bekommt das Buch doch drei Sterne von mir und ich würde gern mehr – zu einem anderen Thema – von dieser Autorin lesen.