Montag, 21. August 2017

Die alten Griechen: Eine Erfolgsgeschichte in zehn Auftritten von Edith Hall

Edith Hall lässt uns die Kraft und Faszination der griechischen Antike neu entdecken.

Sie waren die Erfinder der Demokratie, Begründer der Philosophie, Schöpfer unsterblicher Mythen und Dramen – die alten Griechen haben das Fundament unserer Zivilisation gelegt und somit auch unsere moderne Welt geprägt. Doch was genau war das Erfolgsgeheimnis der griechischen Völker, was hat sie – über alle politischen und kulturellen Grenzen hinweg – angetrieben? Und was verbindet uns mit ihnen?


Die fast fünfzig Seiten lange Einführung macht eines ganz klar: Die Autorin ist ein großer Fan der alten Griechen. Auch wenn sie selbst behauptet, dass sie objektiv sein will – das ist sie eindeutig nicht. So nennt sie zehn hervorragende Eigenschaften, die jeder Grieche hat. Vom Humor, bei dem die Schadenfreude einen hohen Stellenwert einnimmt, über die Neugier zum Freiheitsdrang und der Aufmüpfigkeit gegenüber Vorgesetzten ist wirklich alles vorhanden. Ein Volk, bei dem jeder ein Held, ein Dichter und ein Denker ist. Dummerweise entlarven die Beispiele der Autorin, dass das vielleicht doch nicht so ganz stimmt. Den Satz des Pythagoras haben eigentlich die Babylonier gefunden. Die Phönizier waren die besseren Segler und hatten schon früh die Schrift erfunden. Die Griechen bedienten sich eigentlich vor allem bei anderen Kulturen. Bei den Ägyptern, den Hethitern, und wem sie sonst noch so begegneten auf ihren Seefahrten – immer entlang der Küste. SO gut waren ihre Seefahrer nämlich gar nicht.

Am Ende der Einführung fand ich, dass es sich bei den Griechen damals um das handelte, was vielleicht viele Amerikaner bei uns heute sind: Sie hielten sich für die Größten und Besten, und kamen damit durch. Hätte es damals schon so etwas wie Twitter gegeben ... aber lassen wir das.

In den eigentlichen Kapiteln erzählt die Autorin chronologisch die griechische Erfolgsgeschichte von frühster mykenischer Zeit bis zur Christianisierung. Zumindest ist das ihr Vorhaben. Leider sieht die Ausführung etwas anders aus. 
Edith Hall ist eine Klassische Philologin, deren Forschungsschwerpunkt auf der antiken griechischen Literatur- und Kulturgeschichte liegt. Sie ist eine Fachfrau, deren Wissen vermutlich ihresgleichen sucht. Doch die Vermittlung dieses Wissens gehört offenbar nicht zu ihren Stärken. 
Es erweist sich als schwer, in den einzelnen Kapiteln einen roten Faden zu finden, denn es geht ziemlich hin und her. Vor allem muss man die griechische Geschichte regelrecht suchen zwischen all ihren Ausführungen über die griechische Literatur.

Und das ist das Hauptproblem: Eigentlich geht es in dem Buch um Literaturgeschichte. Hier ist die Autorin zweifellos eine Expertin.
Hätte sie sich darauf beschränkt und das Ganze ein wenig gestrafft (muss wirklich jeder griechische Dichter genannt werden?), wäre ein interessantes Buch dabei herausgekommen. Und da hätte es vielleicht auch nicht geschadet, dass sie bei einzelnen Literaten immer mal wieder ins Schwärmen gerät, ohne so richtig auszuführen, warum.

Mein Deutschlehrer hätte das Buch eine Themaverfehlung genannt. In weiten Teilen zu Recht. Aber wenn man etwas über die Entwicklung der griechischen Literatur sucht und schon ein wenig Ahnung hat, findet man hier ein gutes Buch.